Meine Sonntagspredigt...wie gewohnt zum nachlesen

17.10.2021 - Sonntagspredigt

Von hier kommen Sie auch zu den Hausgebeten

„Unter euch soll es anders sein.“, so hat er gesagt. Viele haben es bewusst vergessen, verdrängt. Entsetzt sehen wir bis heute die Folgen des vorsätzlichen Vergessens und Verdrängens dieses Jesuswortes. Unter uns ist es zu wenig anders, die Versuchung zu Machtmissbrauch, Gewaltausübung, arroganter Bevormundung und besserwisserischer Abwertung anderer Meinungen, ob von Frauen oder Männern, ob von Amtsträgern oder Gemeindemitgliedern scheint kaum gebrochen. Manche sprechen von Dienen, doch machen sie genau das Gegenteil. Daran leiden Gläubige, durch diese Unglaubwürdigkeit kann das kirchliche Christentum zugrunde gehen. Manchem, der „oben“ ist und nie „unten“ gelebt und erlebt, der ungern auf „unten“ hört, merkt man das an. Wir leiden daran in vielen gesellschaftlichen Bereichen und auch in der Kirche. Niemand ist wichtiger, nur weil er „oben“ ist, sondern muss sorgen, dass Menschen leben und glauben können. Denn im Lernen voneinander, auch im Glauben, ereignet sich liebendes, gelingendes, verzeihendes Leben. Auch das scheint manchen nicht genügend bewusst zu sein. Im Erfahren und Zuhören des Lebens anderer Menschen, verstehen wir Leben und Glauben tiefer, bewusster, anders. Mit Abgrenzen und Ausgrenzen, Abwerten und Herabsetzen, nur weil sie anders leben, denken, glauben als man selbst, vielleicht auch weil sie fehlerhaft und weniger begabt, vielleicht auch weil sie berechtigte Sehnsüchte, erreichen wir keine Jesusgemäße Gemeinschaft, kein gelingendes, geliebtes Menschsein als Frau, Mann, gebrechlicher Alter, Kind, Jugendlicher. Das Menschsein kennt und erlebt viele Leidenskelche, doch am schlimmsten sind die, die Menschen anderen zubereiten und zu trinken zwingen. Auch das hat Kirche getan, auch wenn manche das verdrängen, kleinreden wollen. Leben und Glauben einander gönnen, ermöglichen, kennt eben nur ein Miteinander in Liebe und Bescheidenheit, im Wissen um eigene Stärken und Schwächen. Nicht aber mit Herrschaftsstrukturen, Titel- und Selbstdarstellungssucht, mit glanzvollen Äußerlichkeiten und abergläubigem Brauchtum. Die Kleinarbeit des Lebens, des Menschseins mit all seiner Suche nach Glück, Sinn, Halt, Lebensfreude, Liebe, Geborgenheit, seiner Suche nach gutem Leben, auch nach Gott ist anstrengend, aber lohnend. Da helfen ausgrenzendes Machtgehabe, oberflächliche Betroffenheitsbekundungen nicht, sondern die helfende Hand, das hörende Herz, Liebe und Ermutigung, das Einandertragen und Verstehensuchen. Auch wenn manches, was Menschen sagen, denken und tun, kaum auszuhalten, für uns unverständlich, unverzeihlich, sind es doch Menschen. Auch das ist eine Kleinarbeit des Alltags. Doch besseres Leben ermöglichen, doch Änderungen ermöglichen, doch Einsicht in falsches Tun, in verbrecherisches Denken, Reden, Empfinden und Tun ermöglichen, auch das gehört zum Christenmenschen, ein Nachdenken nicht über andere, sondern auch über uns, was wir anders machen sollen, können, damit wir besser Mensch sein können, mehr uns an Jesus ausrichten, zu Menschen und zu Gott finden können. Diese Art Kleinarbeit an sich selbst, kommt uns und anderen Menschen zugute, weil wir mehr nach Jesus fragen, was er an unserer Stelle sagen und tun, denken und fühlen würde. Wir sorgen uns dann mehr um gelingendes, liebendes Leben als um den Erhalt von falscher Macht, die nur etwas für sich macht anstatt für Menschen, als um den Erhalt von Titeln, Strukturen, Besitz. Uns geht es um Menschen, dass sie durch Gott Sinn und Halt, Hoffnung und Ermutigung erfahren. Nicht Äußerlichkeiten sind dann wichtig, sondern die Jesusgemäße Innerlichkeit ist wichtig, das Leben im Ahnen der Gegenwart Gottes ist wichtig. Diese andere Ausrichtung zu leben und immer wieder neu zu lernen, ist Kleinarbeit unseres Alltags, jetzt, hier, auch mit anderen Mensch-en, die uns gut sind. Da braucht es kein gegensätzliches „Oben“ und „Unten“, sondern ein Miteinander im Leben und Glauben an Gott. Denn wer „unten“ kennt, weiß, was Menschen, wir selbst zum Leben und zum Glauben brauchen. Letztlich leben wir doch alle irgendwie unten, selbst die, die aufgrund von Machtpositionen, Reichtum, Ansehen, Titeln oben zu leben meinen. Wer diese Gleichheit vor Gott leugnet, erhebt sich arrogant, ausgrenzend über andere. Wir sind doch nur Menschen mit unterschiedlichen Gaben und Stärken, Fehlern und Schwächen. Was Menschen einander am meisten schulden, sind Liebe und Unterstützung zum Leben, Ermutigung und Vergebung, Sinn und Getragensein in Zweifel und Leid. Auch das ist eine Kleinarbeit unseres Menschseins und Lebens in der Gegenwart Gottes. So vieles, was wir meinen, das unabdingbar zum kirchlichen Christentum gehört, brauchen wir in Wahrheit gar nicht, um gut zu leben und an Gott nach Jesu Vorbild zu leben. Wir leben in Gott, aus Gott und auf Gott hin. Geben wir Liebe und Hilfe zum Leben, leben wir nach Jesus, da können wir gut auf manche Äußerlichkeit, manche Regel, manches Verwalten, verzichten; auch das ist Kleinarbeit, das zu erkennen, darauf zu verzichten und sich auf das Wesentliche, Wichtige und Eigentliche zu besinnen und zu leben.



Betreiber der Webseite:

Pfarreiengemeinschaft Kelberg

Verantwortlich für den Inhalt gemäß Telemediengesetz (TMG):

Pfarrer Ulrich Apelt
Blankenheimer Straße 6
53539 Kelberg.

Impressum

Wetter: Kelberg

Besucherzahlen

Kontakt Pfarrbüro

  • Telefon:
    0 26 92 / 3 64
  • Email:
    Pfarramt
  • Addresse:
    Blankenheimerstr. 6
    53539 Kelberg
    Deutschland